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RAM‑ und SSD‑Preise explodieren

Seit Sommer 2025 explodieren die Preise für RAM und NVMe-SSDs: DDR5-Kits haben sich teils vervierfacht, SSDs sind rund 80 % teurer. In Kundengesprächen erleben wir deshalb oft überraschte Reaktionen: Ein Upgrade eines Notebooks auf 32 GB DDR5 und 1 TB NVMe kostet heute in der Praxis häufig über 500 CHF. Viele Kundinnen und Kunden warten daher auf sinkende Preise; wir beleuchten, ob 2026 tatsächlich Entlastung bringt.

Preisentwicklung für DDR5‑RAM und NVMe‑SSDs

Engpässe bei RAM‑Modulen und NVMe‑SSDs

Die Speicherkrise hat ihren Ursprung in der weltweiten KI‑Euphorie. Halbleiterhersteller liefern den Grossteil ihrer Produktion inzwischen an Betreiber grosser Rechenzentren, was zur Verknappung des Angebots auf Konsumentenseite führt. Consumer‑Speicher wird zur Mangelware. Der koreanische Hersteller SK Hynix geht davon aus, dass diese Knappheit mindestens bis 2028 (!) anhalten wird.

Die Preisexplosion im deutschen Handel manifestiert sich in der Schweiz "in ähnlichem Rahmen" (IT Magazine: Einordnung CH).

Ursachen und Hintergründe der Speicherkrise

Das vergangene Jahr brachte eine ungewöhnliche Kombination aus massivem Nachfrageschub, technologischem Wandel und strategischen Entscheidungen der Hersteller. Im Folgenden erklären wir die wichtigsten Faktoren, die in Fachartikeln, Herstellerbriefings und Videos zur RAM‑Krise genannt werden.

KI‑Boom saugt den Markt leer

Der wichtigste Treiber ist der anhaltende Boom im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Grossunternehmen und Cloud‑Anbieter bauen riesige Rechenzentren, die enorme Mengen an Hochleistungs‑Speicherchips benötigen. Während Consumer‑Geräte pro PC meist 16 oder 32 GB RAM verwenden, benötigt ein moderner KI‑Server pro Rack mehrere Terabyte an DRAM und HBM. Der Ausbau dieser KI‑Cluster zieht Produktionskapazitäten aus dem Massenmarkt ab. Digitec berichtet, dass PC‑Hersteller wie Asus und MSI deshalb hektisch RAM auf dem Spotmarkt einkaufen, weil Rechenzentren die Versorgung "praktisch aufsaugen"(Digitec). Der weltweite Ausbau der KI‑Rechenzentren verdrängt den Consumer‑Speicher und treibt die Preise in die Höhe (Reuters).

Plattformwechsel zu DDR5 und neue Technologiezyklen

Parallel zur KI‑Euphorie vollzieht die Industrie den Übergang von DDR4‑ zu DDR5‑Speicher. DDR5‑Module sind technisch komplexer: Sie enthalten eigene Stromversorgungscontroller (PMIC), verfügen über integrierte ECC‑Funktionen und erlauben höhere Taktraten und geringere Latenzen. Diese zusätzlichen Komponenten erhöhen die Produktionskosten und verringern die Ausbeute pro Wafer.

Strategische Produktionskürzungen der Hersteller

Nach dem Preisverfall 2022/2023 reduzierten die grossen Speicherhersteller bewusst ihre Produktion, um Margen zu stabilisieren. In Analysen zur Speicherkrise wird betont, dass Samsung, Micron und SK hynix ihre Kapazitäten gezielt in Richtung hochmargiger Produkte (HBM/Enterprise) umschichten und nicht kurzfristig wieder hochfahren.

Oligopolstruktur und Priorisierung von High‑End‑Kunden

Der Markt für Speicherchips ist hochgradig konzentriert. Diese Marktmacht führt dazu, dass es kaum Ausweichmöglichkeiten gibt - wenn die grössten Anbieter ihre Produktion in Richtung KI‑Speicher verschieben, entsteht für herkömmlichen RAM schnell ein globales Vakuum.

NAND‑Knappheit und NVMe‑SSD‑Preise

Die Speicherkrise betrifft nicht nur DRAM, sondern auch NAND‑Flash – die Speicherchips, aus denen SSDs gebaut werden. Trendbeobachter rechnen mit weiteren Preisschüben, weil Produktionskapazitäten in Enterprise‑Anwendungen fliessen und der Consumer‑Markt nachrangig bedient wird.

HBM verdrängt Standard‑DRAM

Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor der Speicherkrise ist die Verdrängung von Standard‑DRAM durch High‑Bandwidth Memory (HBM). Hersteller verlagern Kapazitäten zugunsten von HBM‑Produkten, was das Angebot für klassische DDR4/DDR5‑Chips verknappt.

Geopolitische Spannungen und Handelsbarrieren

Zur Verknappung tragen auch geopolitische Faktoren bei. In Analysen zur Speicherkrise wird beschrieben, dass Exportkontrollen und Handelsbarrieren Investitionen und Anlagenübertragungen beeinflussen und dadurch die Kapazitätserweiterung verlangsamen.

Herstellerreaktionen und Vorratsbeschaffung

Reuters berichtet, dass die steigenden Kosten OEMs und Distributoren zu Vorratsbeschaffung zwingen und die Verfügbarkeit im Consumer‑Kanal zusätzlich verschärfen.

KI‑Infrastruktur und das "Stargate"‑Projekt

Anfang Oktober 2025 schloss OpenAI ein strategisches Bündnis mit Samsung und SK Hynix für das KI‑Megaprojekt „Stargate“: Laut Reuters werden dafür bis zum Jahr 2029 bis zu 900 000 Wafer pro Monat benötigt – etwa doppelt so viel wie die damalige weltweite HBM‑Produktion.

Prognosen und Ausblick

Analysten rechnen damit, dass die Knappheit bis weit ins Jahr 2027 oder sogar 2028 anhält. Branchenberichte zeigen, dass neue Fabriken mehrere Jahre benötigen und bestehende Hersteller vorsichtig investieren – kurzfristig ist keine Entspannung zu erwarten.

Marktbeobachtung und Empfehlungen

Die folgende Tabelle fasst exemplarische Preisentwicklungen von Juli 2025 bis Januar 2026 zusammen. Die Daten basieren auf dem Speicherkrisen‑Preisindex des Technikportals 3D‑Center und zeigen, wie stark einzelne Produkte teurer wurden.

Produkt (technische Spezifikation) Preis Juli 2025 Preis Jan 2026 Steigerung Quelle
2×16 GB DDR5‑6000 MHz (CL 28) 75 € 395 € +427 % 3D‑Center
2 TB M.2 PCIe 4.0 SSD (ohne DRAM) 98 € 180 € +84 % 3D‑Center
Samsung 990 Pro (2 TB, NVMe) ca. 150 CHF ca. 200 CHF +33 % Digitec
WD Red Plus (8 TB HDD) ca. 170 CHF ca. 210 CHF +24 % Digitec

Preisentwicklung im Zeitverlauf

Die folgende Abbildung zeigt einen Preisindex für ausgewählte RAM-abhängige Produkte im Zeitraum von Juli 2025 bis Januar 2026 (Datenquelle: Geizhals.de/3D‑Center). Der Index ist so normiert, dass Juli 2025 = 0 % entspricht. Vor dem Sommer 2025 waren die Preise vergleichsweise stabil, ab Herbst 2025 zeigt sich jedoch eine exponentielle Verteuerung, besonders bei DDR5‑Modulen.

Preisentwicklung für DDR5‑RAM und NVMe‑SSDs

Fazit und Serviceangebot

Die Speicherpreise bleiben 2026 voraussichtlich auf sehr hohem Niveau und eine schnelle Entspannung ist nicht in Sichtweite. Die Ursachen (KI-Nachfrage, Produktionsprioritäten, knappe Kontingente) wirken weiter, und selbst Branchenstimmen rechnen damit, dass die Knappheit noch mehrere Jahre spürbar sein kann.

Für Kundinnen und Kunden heisst das konkret: RAM Upgrades lohnen sich nur, wenn das Gerät insgesamt in gutem Zustand ist (Akku, Display, Tastatur, Mainboard) und die Aufrüstung einen echten Nutzwert bringt (z.B. um Win 11 nutzen zu können).

Im Rahmen unseres Vor-Ort IT Service im Kanton Zürich prüfen wir bestehende Hardware und können Upgrade-Optionen (Kompatibilität, realistische Leistungsgewinne) prüfen und kalkulieren. Wenn ein Upgrade noch sinnvoll ist, setzen wir es auf Wunsch vor Ort um (Einbau, Klonen/Migration, Funktions- und Stabilitätstests). Wenn ein Ersatz die bessere Wahl ist, übernehmen wir die Datenmigration, Konfiguration und die sichere Entsorgung des Altgeräts.

Von Johannes Puschnig, Januar 2026

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